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Erstellt:
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Autor:
Roland Golla
Grüner Fahrkartenautomat mit Kopfhörern: ICT barrierefrei

Was bedeutet ICT in der Barrierefreiheit?

ICT steht für Information and Communication Technology, auf Deutsch Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz IKT. Gemeint ist jede Technik, mit der Menschen Informationen abrufen, austauschen oder Dienste nutzen: Websites, Apps, Software, Dokumente, Smartphones, Telefone und Automaten.

Der Begriff ist wichtig, weil Barrierefreiheit nicht am Browserfenster endet. Wer am Bahnhof ein Ticket kauft, am Geldautomaten Geld abhebt oder im Kundenportal ein PDF herunterlädt, nutzt ICT. Für eine blinde Frau mit Kopfhörern ist der Fahrkartenautomat genauso eine Hürde oder eine Hilfe wie eine Website.

Die europäische Norm EN 301 549 beschreibt, wie barrierefreie ICT aussieht. Für Websites übernimmt sie die WCAG, für Hardware, Software und Kommunikation ergänzt sie eigene Anforderungen.

Inhalt

Barrierefreie ICT im Web und in der Software: NCA als Partner

Die EN 301 549 ist dick und für viele Teams schwer zu greifen. Bei NCA übersetzen wir sie in das, was für euer Produkt wirklich gilt: Welche Kapitel betreffen eure Website, eure Web App, euer Kundenportal und die Dokumente, die ihr ausliefert? Die Hardware überlassen wir Herstellern, aber alles, was im Browser und in Software läuft, setzen wir selbst um.

Wir ordnen eure Angebote den Anforderungen zu, prüfen sie in einem Accessibility Audit und liefern die technische Grundlage für einen Accessibility Conformance Report. Für den rechtlichen Rahmen verbinden wir das mit dem BFSG und dem European Accessibility Act. Downloads bringen wir auf Stand nach den Regeln für barrierefreie PDFs. Die Umsetzung läuft über unsere Arbeit im barrierefreien Webdesign, abgesichert durch automatisiertes Accessibility Testing.

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Vom Fahrkartenautomaten bis zum Kundenportal: Was alles ICT ist

Ein ganz normaler Tag zeigt, wie viel ICT im Alltag steckt. Morgens die Banking App, am Bahnhof der Fahrkartenautomat, im Büro die Software für die Zeiterfassung, mittags der Bestellterminal in der Kantine, abends der Onlineshop und das E Book vor dem Einschlafen. Jede dieser Stationen kann für Menschen mit Behinderung offen oder verschlossen sein.

Das BFSG nennt konkret, welche Produkte und Dienstleistungen barrierefrei sein müssen, darunter:

  • Produkte: Computer und Betriebssysteme, Smartphones und Tablets, Selbstbedienungsterminals wie Geld, Fahrkarten und Check in Automaten, E Book Reader sowie Geräte für Telekommunikation und Fernsehen.
  • Dienstleistungen: Onlineshops und andere Dienste im elektronischen Geschäftsverkehr, Bankdienstleistungen für Verbraucher, Telekommunikation, E Books sowie digitale Angebote im Personenverkehr wie Websites, Apps und elektronische Tickets.

Für viele Unternehmen ist der Onlineshop der wichtigste Berührungspunkt. Wer aber auch ein Kundenportal, eine App oder herunterladbare Dokumente anbietet, sollte alle diese Teile als ICT betrachten.

So ist die EN 301 549 aufgebaut

Die EN 301 549 ist die europäische Norm für barrierefreie ICT. Sie ordnet ihre Anforderungen nach Art der Technik:

  • Kapitel 4, funktionale Leistungsmerkmale: Ausgangspunkt sind Menschen, nicht Geräte. ICT muss etwa ohne Sehvermögen, ohne Hörvermögen, ohne Sprechen, mit eingeschränkter Kraft oder mit eingeschränkter Kognition nutzbar sein.
  • Kapitel 5, allgemeine Anforderungen: etwa für geschlossene Systeme wie Automaten, die keine eigenen Hilfsmittel zulassen.
  • Kapitel 6 und 7: Sprachkommunikation in beide Richtungen, etwa Echtzeittext, sowie Videofunktionen mit Untertiteln und Audiodeskription.
  • Kapitel 8, Hardware: Tasten, Bedienhöhen, Kopfhöreranschlüsse.
  • Kapitel 9, Web: Hier gelten die WCAG Kriterien der Stufen A und AA.
  • Kapitel 10 und 11: Dokumente außerhalb des Webs wie PDFs und Office Dateien sowie Software und Apps.
  • Kapitel 12 und 13: Dokumentation und Support sowie Vermittlungs und Notrufdienste.

Im September 2026 ist die Fassung V4.1.1 erschienen, die für das Web auf WCAG 2.2 aufbaut. Sobald sie im Amtsblatt der EU gelistet ist, wird sie zur harmonisierten Norm für den European Accessibility Act.

Welche Teile eures Angebots zählen als ICT?

Viele Unternehmen denken bei Barrierefreiheit nur an die Website. Die EN 301 549 schaut auf alles, was Kunden digital berühren. Die Tabelle hilft, das eigene Angebot einzuordnen.

ICT Bausteine und die passenden Anforderungen

Baustein Beispiel Maßgeblich in der EN 301 549
1 Website Onlineshop, Unternehmensseite, Buchungsstrecke Kapitel 9 mit den WCAG Kriterien A und AA
2 Web App und Software Kundenportal, Banking App, Desktop Anwendung Kapitel 9 für Web, Kapitel 11 für native Software und Apps
3 Dokumente Rechnungen als PDF, Verträge, Anleitungen Kapitel 10 für Dokumente außerhalb des Webs
4 Geräte und Automaten Ticketautomat, Kassenterminal, Smartphone Kapitel 5 und 8, dazu Kapitel 11 für die Software darauf

EN 301 549 im Testlauf: Web und Dokumente automatisch prüfen

Das Angebot als Liste festhalten. Eine einfache Datei im Repository beschreibt, welche ICT Bausteine es gibt und welches Kapitel jeweils gilt. Sie ist die Grundlage für Tests und spätere Berichte.

Code:
          

[
  { "baustein": "Website", "pfad": "/", "kapitel": "9" },
  { "baustein": "Kundenportal", "pfad": "/portal", "kapitel": "9" },
  { "baustein": "Rechnung PDF", "pfad": "/downloads/rechnung-beispiel.pdf", "kapitel": "10" }
]

Web Bausteine mit den Regeln der Norm prüfen. axe kennt eigene Tags für die EN 301 549. Cypress geht alle Web Bausteine durch und meldet Verstöße, bevor ein Release live geht.

Code:
          

import bausteine from '../../ict-bausteine.json'

describe('EN 301 549 Kapitel 9', () => {
  bausteine
    .filter((b) => b.kapitel === '9')
    .forEach(({ baustein, pfad }) => {
      it(`${baustein} besteht die automatischen Prüfungen`, () => {
        cy.visit(pfad)
        cy.injectAxe()
        cy.checkA11y(null, { runOnly: ['EN-301-549'] })
      })
    })
})

PDFs nicht vergessen. Für Dokumente nach Kapitel 10 hilft ein Prüfschritt in der Pipeline, der zumindest Tags und Sprache kontrolliert. Die vollständige Prüfung übernimmt ein Werkzeug wie der PDF Accessibility Checker.

Code:
          

# prüft, ob ein PDF getaggt ist und eine Sprache gesetzt hat
pdfinfo rechnung-beispiel.pdf | grep -qE "Tagged:\s+yes" || echo "PDF ist nicht getaggt"
qpdf --json rechnung-beispiel.pdf | grep -q '"/Lang"' || echo "Sprache fehlt"

Blinde Flecken jenseits der Website

  • Barrierefreie Website, unzugängliches PDF. Der Shop ist geprüft, aber Rechnung, Widerrufsformular und Bedienungsanleitung kommen als eingescanntes Bild.
  • Web geprüft, App vergessen. Die native App fällt unter Software, wird aber in keinem Audit betrachtet.
  • Support nur am Telefon. Wer nicht hören oder sprechen kann, hat keinen Weg zum Kundenservice. Die Norm fordert auch barrierefreie Kontaktwege.
  • Kiosk ohne Kopfhöreranschluss. Ein Bestellterminal mit Touchscreen, aber ohne Sprachausgabe und taktile Bedienung, schließt blinde Menschen aus.
  • Eingebundene Dienste ungeprüft. Zahlungsanbieter, Terminbuchung oder Chat stammen von Dritten und brechen die Strecke.
  • Veraltete Norm im Vertrag. Ausschreibungen verweisen noch auf alte Fassungen der EN 301 549, während die Technik längst weiter ist.

When cited, it will become the harmonized standard that confers presumption of conformity.

Matthew Luken, Senior Vice President und Chief Architect bei Deque Systems – EN 301 549 v4.1.1 is final: What changed, what it means, and what you should do, Deque Blog

Eine Kundenreise statt einer Checkliste

Der beste Einstieg in ICT Barrierefreiheit ist eine echte Kundenreise. Vom ersten Suchergebnis über die Bestellung, die Bestätigungsmail und die Rechnung bis zur Frage an den Support. Wer diesen Weg einmal mit Screenreader, nur mit Tastatur und ohne Ton geht, sieht schnell, an welchen Stationen die Kette reißt.

Die einzelnen Stationen haben jeweils eigene Seiten im Glossar. Für die Website gelten die POUR Prinzipien, für Videos Untertitel und Audiodeskription. Wie Bedienung ohne Maus gelingt, zeigen die Seiten zu alternativen Eingabegeräten und Operabilität.

Wer seine Konformität nachweisen will, findet den Weg bei der Konformität und der repräsentativen Stichprobe. Wer die Einhaltung in Deutschland überwacht, steht bei der Marktüberwachungsstelle MLBF.

CYPRESS.IO Ambassador und IT Consultant für QA Engenieering und Qualität in PHP Projekten.
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Wir sind hier, um Ihnen zu helfen. Gemeinsam meistern wir Ihre digitalen Herausforderungen und fördern die Inklusion im Internet. Lassen Sie uns Ihre Projekte mit barrierefreiem Webdesign erfolgreich machen.

Häufige Fragen zu ICT und Barrierefreiheit

EN 301 549, BFSG, Automaten, Software und Dokumente: was ICT im Zusammenhang mit Barrierefreiheit bedeutet.

Was bedeutet ICT in der Barrierefreiheit 2026?

ICT steht für Information and Communication Technology, auf Deutsch Informations- und Kommunikationstechnologie. Gemeint sind Websites, Apps, Software, Dokumente, Telefone, Smartphones und Automaten. 2026 beschreibt die europäische Norm EN 301 549, wie barrierefreie ICT aussieht. Sie ist die technische Grundlage für den European Accessibility Act und das BFSG.

Was ist die EN 301 549 und welche Fassung gilt 2026?

Die EN 301 549 ist die europäische Norm für die Barrierefreiheit von ICT Produkten und Dienstleistungen. Im September 2026 ist die Fassung V4.1.1 erschienen, die für das Web auf WCAG 2.2 aufbaut. Sobald sie im Amtsblatt der EU gelistet ist, gilt sie als harmonisierte Norm für den European Accessibility Act. Bis dahin lohnt der Blick auf beide Fassungen.

Welche ICT Produkte fallen 2026 unter das BFSG?

Das BFSG nennt unter anderem Computer und Betriebssysteme, Smartphones und Tablets, Selbstbedienungsterminals wie Geld, Fahrkarten und Check in Automaten, E Book Reader sowie Geräte für Telekommunikation und Fernsehen. Dazu kommen Dienstleistungen wie Onlineshops, Bankdienste für Verbraucher, Telekommunikation, E Books und digitale Angebote im Personenverkehr.

Gilt die EN 301 549 2026 auch für Software und Apps?

Ja. Kapitel 11 der EN 301 549 regelt Software, also auch native Apps und Desktop Anwendungen. Viele Anforderungen orientieren sich an den WCAG, sind aber auf Software übertragen. Dazu kommen eigene Punkte, etwa die Zusammenarbeit mit assistiven Technologien des Betriebssystems und die Nutzung von Systemeinstellungen wie Schriftgröße und Kontrast.

Wie prüfe ich 2026, ob mein Angebot der EN 301 549 entspricht?

Zuerst erfasst ihr alle ICT Bausteine, also Website, Apps, Dokumente und gegebenenfalls Geräte, und ordnet sie den Kapiteln der Norm zu. Danach prüft ihr eine repräsentative Stichprobe manuell und automatisiert. 2026 unterstützen Werkzeuge wie axe eigene Regeln für die EN 301 549, die sich gut in eine Pipeline mit Cypress einbinden lassen.

Was ist der Unterschied zwischen ICT und IKT?

Inhaltlich keiner. ICT ist die englische Abkürzung für Information and Communication Technology, IKT die deutsche für Informations- und Kommunikationstechnik. In deutschen Gesetzen und Normen findet sich meist IKT, in internationalen Dokumenten und Fachartikeln ICT. Beide Begriffe meinen dieselben Produkte und Dienstleistungen.

Was sind funktionale Leistungsmerkmale?

Das Kapitel 4 der EN 301 549 beschreibt, welche Nutzungssituationen ICT unterstützen muss, etwa ohne Sehvermögen, mit eingeschränktem Sehvermögen, ohne Farbwahrnehmung, ohne Hörvermögen, ohne Sprechen, mit eingeschränkter Kraft oder Reichweite und mit eingeschränkter Kognition. Sie sind der Maßstab, wenn die technischen Kapitel eine Situation nicht konkret regeln.

Was bedeutet geschlossene Funktionalität?

Geschlossen ist ICT, wenn Nutzer keine eigenen Hilfsmittel wie Screenreader anschließen oder installieren können. Typische Beispiele sind Fahrkartenautomaten, Bezahlterminals und Kiosksysteme. Für sie verlangt die Norm, dass die nötige Barrierefreiheit eingebaut ist, etwa eine Sprachausgabe über Kopfhörer und eine taktile Bedienung.

Gehören PDFs und Office Dokumente zur ICT?

Ja. Kapitel 10 der EN 301 549 regelt Dokumente, die nicht als Webseite angeboten werden, etwa PDFs, Word oder Excel Dateien. Sie brauchen eine Struktur mit Überschriften, Tags, Alternativtexten und einer sinnvollen Lesereihenfolge. Rechnungen, Verträge und Formulare zum Download werden in Audits häufig vergessen.

Muss auch der Kundenservice barrierefrei sein?

Ja. Kapitel 12 der EN 301 549 betrifft Dokumentation und Support. Informationen zur Barrierefreiheit eines Produkts müssen zugänglich sein, und Kunden brauchen Kontaktwege, die sie selbst nutzen können. Ein Support nur per Telefon schließt Menschen aus, die nicht hören oder sprechen können.

Was hat ICT mit öffentlicher Beschaffung zu tun?

Öffentliche Stellen in der EU kaufen Technik nach Vergaberegeln ein, die Barrierefreiheit berücksichtigen sollen. Die EN 301 549 wurde ursprünglich genau dafür entwickelt. Anbieter, die ihre Konformität etwa mit einem Accessibility Conformance Report belegen, haben in Ausschreibungen deshalb einen klaren Vorteil.

Welche Rolle spielt die WCAG innerhalb der EN 301 549?

Für Webinhalte übernimmt die EN 301 549 die WCAG Kriterien der Stufen A und AA nahezu unverändert. Für Dokumente und Software werden sie sinngemäß übertragen. Wer seine Website nach WCAG 2.2 AA umsetzt, erfüllt damit den größten Teil der Anforderungen an Web Inhalte und hat eine gute Basis für alle anderen Kapitel.